Religionen

Das Glaubenssystem der Canthari 

Seit Jahrhunderten ist der dominante Glaube in Thrimor der an die vier Elementarherren, gelehrt und gestiftet von den alten Magierpriestern der Canthari. Auch wenn neben den Canthari auch der Textorianerorden – gewissermaßen eine Abspaltung der Canthari – stark geworden ist, sind sie die einzige mächtige religiöse Institution in Thrimor, die Grundfeste, auf die der Glauben baut.

Grundsätzlich werden von den Canthari nur vier Götter offiziell geduldet: die vier Elementarherren. Dazu gesellen sich – regional und nach Stand unterschiedlich – noch einige andere Götter, die im Volkstum verehrt werden. Insgesamt sind die Thrimorer recht offen, was den Umgang mit anderen Religionen angeht. Das zeigt sich auch in der Verehrung ihrer verschiedenen Götter.

Die vier Elementarherren sind dabei keine ungreifbaren, transzendenten Götter, die nur von entrückten Eremiten erreicht und von hochgebildeten Professoren erfasst werden können. Sie sind das Wasser, das unseren Durst löscht, die Bäume, die uns Schatten spenden und der Schild, der uns schützt. Wenn ein Thrimorer etwa Reyas Segen erbitten will, kann er einen Priester um seinen Segen bitten, er kann sie aber auch selber anflehen, indem er sich ein Stückchen Erde mit der Linken an die Stirn presst und sie im stummen Gebet um ihren Beistand ansucht; oder er kann aus Wurzeln und Blättern einen Armreif flechten, den er einem Geliebten mit auf den Weg gibt (und vielleicht noch mit Federn schmückt, um auch Eras, den Schutzpatron der Reisenden, gewogen zu stimmen).

Dennoch gibt es zwei Gruppen in Thrimor, die den Göttern näher stehen als die gemeine Bevölkerung. Das sind zum einen die Cantharischen Magier. Der Orden der Canthari erforscht schon seit hunderten von Jahren, wie man auf die Ebenen der Elementargötter durch den Schleier zugreifen kann. Die Zauberer des Cantharischen Ordens nutzen die Kraft der Elemente, um dem Volk Thrimors bei diversen Aufgaben des täglichen Lebens zu helfen und die Gardisten des Landes im Kampf zu unterstützen. Auch so manche magische Gegenstände haben den Weg von der Cantharischen Akademie in das alltägliche Leben der Bevölkerung gefunden. Ein Beispiel dafür ist der sehr weit verbreitete Taschendrache, ein kleiner hölzerner oder metallener Stift mit einem Knöpfchen, der eine kleine Flamme erzeugt. Taschendrachen werden vor allem zum Anzünden von Kerzen und Pfeifen verwendet.

Der Orden der Textorianer

Anders als die Magier, deren Fokus auf der Beherrschung der Mächte liegt, die die Götter den Thrimorern geschenkt haben, sehen sich die textorianischen Priester eher als Vermittler. Sie sind – auch im Unterschied zu den Magiern – nicht auf eine einzelne Gottheit spezialisiert. Für einen Priester besteht die Einzigartigkeit der Schöpfung gerade in der Verwobenheit der Elemente. Priester streben nicht nach Macht, sondern danach, den Willen der Götter zu verstehen und ihren Schützlingen zu deuten. Laien sprechen ihre Priester mit „Mentor“ an, was soviel wie „Lehrer“ bedeutet. Als Zeichen dieses Anspruchs tragen Priester eine sogenannte Corona, einen Stirnreif mit vier Zacken, die die Elementargötter symbolisieren. Diese Corona besteht niemals aus Edelmetallen und ist nie mit Edelsteinen geschmückt, sondern besteht aus einfachen Materialien wie Holz, Bein oder Eisen. Das soll ausdrücken, dass Priester zwar über ihrem Volk stehen, aber es nicht beherrschen oder zu beherrschen streben. Der Priester wählt ein Leben der Bescheidenheit und des Dienstes.

Magier und Priester haben sich aus gemeinsamen Wurzeln entwickelt. So mag es auch niemand wundern, dass neben der Cantharischen Akademie die Cantharische Basilika steht. Diese ist die größte Stätte der öffentlichen Glaubensbezeugung an die Elementaren Götter in Thrimor. In Stein gehauene Abbilder der vier Götter zieren das Zentrum der Basilika und erlauben jedem gläubigen Anhänger der Elemente die Anbetung der Schöpfer. In jeder der größeren Städte des Landes befindet sich zumindest ein Tempel zur Huldigung der Elemente und in den ländlichen Regionen haben die Bauern meist auch hölzerne Ornamente angefertigt, die mit Runen beschriftet sind, von einem textorianischen oder seltener cantharischen Priester geweiht wurden und als Abbild der Götter dienen. Weiters gibt es vier cantharische Klöster in Thrimor: zwei Klöster des Incendius, die zugleich Bollwerke sind, in die sich das Volk zurückziehen kann, wenn es angegriffen wird, ein Kloster der Reya, zugleich ein Hospiz, in dem Arme und Kranke aufgenommen, behandelt und genährt werden, sowie ein Kloster der Lyva, in das Reisende von Nah und Fern kommen, um ihre Krankheiten im heilenden Wasser zu kurieren. Lediglich ein Eras-Kloster gibt es nicht, denn von den Priestern und Mönchen des Eras wird erwartet, dass sie ein Leben auf Wanderschaft verbringen und nicht in den engen Kammern steinerner Hallen. Auch die Textorianer haben mittlerweile acht Klöster erbaut: das Donnereichenkloster, Orkenwacht, Corona, Birkentor, Morgenröte, das Sonnenhangkloster, Traute Einkehr und seit kurzem Neue Hoffnung.

Mehr dazu, wie die Religion gelebt wird, findest du unter Religiöse Praxis.

Ursprünge
Die Cantharischen Thaumaturgen waren – nicht unähnlich den Druiden – Mystiker und sahen sich als Vermittler zwischen den Welten. Gleichzeitig forschten sie auch wissbegierig nach den Geheimnissen der Magie, die die Elementargötter ihnen zur Waffe gaben, um sie besser verstehen und nutzen zu können. Bis nach etwa zwei Jahrhunderten Malleus der Weber kam und alles veränderte.

Der Glaube an die vier Elementarherren ist schon über achthundert Jahre alt. Damals haben vier Propheten namens Creyon, Narn, Thyssa und Rina die Schöpfung durch die vier Elementargötter Eras, Reya, Incendius und Lyva gepriesen. Der Glaube an die Elemente – den Initialien, C, N, Th und R nach Canthari genannt – verdrängte den Glauben an die Uralten Götter so gründlich, dass es heute nur mehr wenige versprengte Druiden und Waldläufer gibt, die ihre vormaligen Götter noch nicht abgelegt haben.

Malleus, ein Weber ärmlicher Herkunft, ist der fünfte Prophet und der Gründer der Religion, wie sie heute von den Priestern vorrangig gelebt wird. Er kritisierte scharf, dass die meisten der cantharischen Magier sich hauptsächlich einem Gott verschrieben. Seine Lehre besagt, dass nicht jeder Gott für sich, sondern das Zusammenwirken und die Harmonie aus den Kräften der Elemente das Leben erst ausmache. Wie aus einzelnen Fäden nur ein Tuch entstehen kann, wenn sie miteinander verwoben werden, ist auch eine Welt, in der die Elemente nicht miteinander verwoben sind, eine tote Wüste. Sein Magnum Opus, Der fünfte Weg, ist die Bibel der heute wirkenden Priester. In ihm ist festgelegt, dass kein Geweihter sich einem einzelnen Gott verschreiben darf (auch wenn er natürlich eine besondere Hingabe zu einem Gott entwickeln kann), sondern stets nach der Vereinigung der Prinzipien der vier Elemente und dem Weg der Mitte streben soll.

Ein großer Teil der Canthari folgte nicht Malleus‘ Weg. Vielen, die einen eher spirituell-mystischen Zugang zu den Göttern hatten und sich als Vermittler zwischen den Menschen und den Göttern, die als Kräfte der Natur begriffen werden, sahen, sprach Malleus der Weber aber aus der Seele. Nach seinem Tod gründete seine Schülerin Rilia den Textorianer-Orden (von Textor, „Weber“ in der Gelehrtensprache). Diejenigen aber, die einen eher pragmatischen, wissenschaftlichen oder schlichtweg machtbewussten Zugang zu den Kräften der Elemente hatten oder aber sich einem der Götter so eng verbunden fühlten, dass sie die anderen nicht auf dieselbe Stufe heben konnten, haben sich der Bewegung nicht angeschlossen. Ihre Nachfolger nennt man heute noch immer Canthari oder cantharische Magier. Die Textorianer und die Canthari trennt so viel, wie sie verbindet: Sie glauben an dieselben Götter und feiern dieselben Feste, aber während die Canthari die Textorianer als verweichlicht ansehen und nicht verhehlen, dass sie zu ihrem gewählten Gott eine tiefere und machtvollere Verbindung spüren als es die Pfaffen je werden, sehen die Textorianer die Canthari oft als zurückgebliebene, machthungrige Hexer, die das wahre Wesen der Quelle ihrer Macht schändlich verkennen. Als verschiedene Religionen kann man die beiden Zugänge aber nicht sehen. Die Glaubensunterschiede zwischen einem spirituellen Canthari, der sich als Lehrer und Vermittler sieht, und eine besondere Nähe zu den Göttern fühlt, und einem Textorianer-Priester, der zu einem der Götter eine besondere Nähe spürt, sind fließend.

Die vier Elementarherren

Die Elementargötter werden sowohl von den Canthari als auch von den Textorianern als ihre Götter verehrt.

Lyva (Wasser)

Wasser ist der Quell des Lebens und so ist auch Lyva die Göttin des Lebens (außer in manchen ländlichen Bereichen, wo der Glaube an Eluviel fortexistiert). Sie durchdringt alle Bereiche, die mit dem menschlichen Leben zu tun haben: bei der Geburt wird das Kind „getaucht“, d.h. in ein Tauchbecken gegeben, wo der Segen Lyvas auf es herabbeschworen wird. Bei einer Eheschließung steigt das junge Paar gemeinsam in ein Becken oder einen Bach und wenn eine Freundschaft fürs Leben geschlossen wird, trinkt man aus einem Becher (allerdings nur Wasser im weitesten Sinn – das darf dann ruhig auch ein wenig veredelt sein). Die Cantharer rufen Lyva an, wenn es um die Heilung von kranken Menschen und Tieren geht, Heiltränke werden mit ihrer Kraft beseelt. Heiler sind oft Anhänger der Lyva. Im privaten Alltag richtet man Gebete an sie, wenn es um Blessuren und größere und kleine Krankheiten geht oder Kinderwunsch besteht. Darüber hinaus ist Lyva natürlich auch die Hauptgöttin der Fischer und der Bootsmänner.

Redensarten: „lebendig wie Lyva“ = quicklebendig

„einer Frau Lyvas Segen schenken“ = sie schwängern / mit ihr schlafen

Incendius (Feuer)

Incendius verschlingt, was sich ihm entgegenstellt, kann aber auch wärmend und heilsam sein. Ein Leben ohne Incendius ist nicht denkbar, doch seine Hauptaufgaben sind der Krieg und der Tod. Tote werden in Thrimor feuerbestattet. Gerade in letzter Zeit ist die Weisheit des Gottes bestätigt worden, denn durch die Feuerbestattung verhindert Incendius, dass die Leichen wiederauferstehen können, was einen sicheren Schutz vor Untoten darstellt. Eine Seele, die auf diese Weise verbrannt wurde, ist rein von Sünden und geht zum Feuergott, wo sie sich dem Heerband Incendius‘ anschließt, in seinem göttlichen Leib aufgeht, um die Dämonen zu vertilgen.

Entsprechend sind die beiden wichtigsten Incendius-Dienste die Feuerbestattung und das Feueropfer: bei Letzterem werden Geschenke oder ein Teil der Kriegsbeute Incendius übergeben, um ihn für eine Schlacht oder einen Krieg gewogen zu stimmen. Incendius ist der Hauptgott der Armeen und einer der beiden wichtigsten Götter der Thrimorer Garde.

Redensarten: „jemanden zu Incendius schicken“ = „jemanden töten“ (nur gegenüber Gläubigen)

„von Incendius gesegnet sein“ = „ein mutiger/starker Krieger sein“

„wüten wie Incendius“ = „wie ein heißes Messer durch Butter seine Feinde niedermähen“

Reya (Erde)

Die Erde birgt die Pflanzen und damit die Nahrungsgrundlage aller. Reya ist zuständig für die Fruchtbarkeit der Felder und des Viehs. Sie ist damit die Hauptgöttin der Bauern, der einmal im Frühling und einmal im Herbst ein Fest geweiht ist (1. Anrufung, um sie um ein fruchtbares Jahr zu bitten und 2. Erntedank). Sie ist die lebensspendende Mutter.

Gleichzeitig ist Reyas Leib – das Gebirge – die Lebensgrundlage Thrimors. Sie schützt sie vor Feinden und beherbergt sie in ihrem Leib. Reya wird daher auch bei allen defensiven Akten angerufen: wird eine Festung oder Wehranlage eingeweiht, wird Reya geopfert. Viele Soldaten und Gardisten ritzen das Zeichen Reyas irgendwo in ihre Schilde, die damit die zweite wichtige Gottheit darstellt. Man glaubt, Reya und Incendius seien Gemahlin und Gemahl, was man an vielen Verbindungen sieht (z.B. Schwert und Schild, oder Feuer und Stahl bei der Schmiedekunst, etc.)

Bei Dürre, Unwetter oder dergleichen werden Reya Opfer gebracht, um sie wieder gnädig zu stimmen. Gerade im ländlichen Bereich ist es üblich, in Brotlaibe das Zeichen Reyas einzuarbeiten.

Eras (Luft)

Eras ist ein launischer Gott. Er wird für Stürme und Gewitter verantwortlich gemacht, treibt aber auch die Wolken herbei, um auf Reyas Leib herabzuregnen und sie fruchtbar zu machen (auch den Thrimorern fällt auf, dass Reyas Leib Früchte trägt, wenn er sie mit ihrem Samen besprenkelt; dummerweise ist Reya eigentlich mit Incendius verheiratet; wenn sie in flagranti erwischt werden, feuert dieser Blitze herab, um seine Frau zu züchtigen).

Eras ist aber auch der Gott der Schutzpatron der Reisenden und der Gott der Wege und damit des Schicksals im Allgemeinen. Eras wird angerufen, wenn man nicht sicher ist, welche Entscheidung die richtige ist oder wie man sein Leben führen soll. Besondere Verehrung gebührt ihm vor allem, wenn man eine längere Reise tut. Gerade die wenigen Seefahrer, die es in jüngster Zeit in Thrimor gibt, bieten ihm regelmäßig Opfer, um ihn gnädig zu stimmen. Freilich zeigen diese Opfergaben nur sehr zufälligen Erfolg.

Redensarten:
„von Eras geküsst sein“ = „leichtsinnig sein, tun, was einem gerade einfällt“

„vom Winde verweht“ = „auf einer langen Reise“

andere Götter und Religionen

Heki – das göttliche Chaos, der chaotische Gott
Zeichen von Heki

Nicht offizielle Lehrmeinung, im Volksglauben aber relativ stark als „fünfter Sternzacken Thrimors“ gehandelt. Weder männlich noch weiblich, weder gut noch böse, ist er/sie/es ein unzuverlässiger Gott, von dem man sich gleichzeitig alles Mögliche erwünschen kann. Das Schicksal fällt in Hekis Domäne: Wer mit dem Schicksal hadert, gibt ihm/ihr die Schuld, wer einen besonderen Wunsch hat, opfert Heki bzw. betet zu ihm. Darüber hinaus trägt der Glaube ganz eigentümliche Blüten. So glaubt man, dass Heki sich besonders oft unters Volk mischt und als Reisender an jemandes Türe klopft. Gerade am Land ist es deswegen besonders wichtig, Fremden stets mit viel Gastfreundschaft entgegenzutreten, weil Heki die belohnt, die ihm/ihr Gutes tun und die anderen bestraft. Wahrsager und Bettler klammern sich an Heki, doch selbst zu ehrgeizige Adelsburschen hängen dem Glauben an – und tun damit einen Schritt in die Richtung des Chaos, auf die Gefahr hin, den Einflüsterungen von Dämonen zu erliegen.

Lorem und Eluviel

Lorem und Eluviel sind sehr alte Gottheiten – möglicherweile sind sie sogar aus dem Glauben an die Uralten entstanden. Die Canthari hatten recht effizient dafür gesorgt, dass der Glaube weitgehend in Vergessenheit geraten ist – weitgehend, denn mit den Untoten flackert auch die Erinnerung an Lorem wieder auf. Er tut dies allerdings nicht in Gestalt einer Totengottheit, zu der man beten kann, sondern als Antithese, als Feind der Götter, dem alles Böse – von Krankheit über Fäulnis über schlechte Charakterzüge bis hin zum Krieg – in die Schuhe geschoben wird. Gerade in letzter Zeit flackert da und dort auch der mit ihm einhergehende Eluviel-Glaube wieder auf und schafft damit ein dualistisches Götterbild, das nur aus dem Erzguten, Eluviel, und dem Erzbösen, Lorem, besteht.

Der Shabbar-Kult

Neben der „offiziellen“ Religion der Canthari, der auch die Ratsherren und der Graf selbst angehören, breitet sich in den letzten Jahren eine weitere Religion aus, die schon viele Anhänger in ganz Thrimor gefunden hat.

Mittelpunkt dieses Kultes ist Shabbar, der Gott der Liebe, der es durch seine grenzenlose Liebe allem, was ist, gestattet zu existieren und sich zu entwickeln. Für die Anhänger des Shabbar-Kultes wurde die Welt niemals erschaffen, und sie wird auch niemals untergehen. Diese Welt war schon seit jeher, ist zu jeder Zeit, und wird auch bis in alle Ewigkeit weiter existieren und sich vollkommen frei entwickeln, weil Shabbar es ihr erlaubt.

Die Anhänger Shabbars glauben, alle Lebewesen sollten sich zu jeder Zeit geliebt fühlen und dies auch selbst ausdrücken. Sie ehren ihren Gott sowohl durch ihre Gutmütigkeit und Achtung gegenüber allem Leben – was Vegetarismus einschließt – als auch durch eine positive Haltung zur körperlichen Liebe. Die zelebrieren sie in besonders feierlicher Weise untereinander in liebevoller Zuwendung und manchmal auch mit ungläubigen Besuchern, denen sie einerseits etwas Gutes tun und andererseits ihren Glauben näher bringen wollen.

Waffen, Kämpfe und Kriege erachten sie als ungeeignet, um dieser Liebe Ausdruck zu verleihen und werden daher mit großer Skepsis betrachtet. Die Liebe zu allen Lebewesen schließt aber auch die Liebe zu sich selbst ein („Die Liebe zu dir selbst und zur Welt seien wie zwei Seiten einer Münze beide gleich groß“), beziehungsweise auch zu möglichen Opfern von Angriffen. Deshalb sind aus ihrer Sicht Notwehrhandlungen nicht nur legitim, sondern, wenn es nicht anders geht, sogar geboten.

Das Symbol für den Shabbarkult ist eine Flamme  („Die Liebe ist wie eine leuchtende Kerze in der Dunkelheit, wie ein wärmendes Feuer in der Kälte, wie ein nährendes Herdfeuer im Haus.“). Beim Gebet oder Gruß werden die Hände vor der Brust zu einem Flammensymbol gefaltet, dabei wird stumm gelächelt oder gesagt: „Die Flamme der Liebe sei mit Dir!“

Das Zentrum des Kultes ist das Kloster Shabbarflam, das auf einer Insel im Niel’tus-See steht. Auf einem Turm brennt hier die Ewige Flamme Shabbars, die von 3 Mönchen und 3 Nonnen, die keine andere Aufgabe haben, ewig am Brennen gehalten wird – als Symbol für die Liebe und das ewige Bestehen der Welt. Weitere 66 Mönche und Nonnen (je 33), genannt Shabbaratta (m/w) oder kurz Atta, unter Leitung eines Paares (Shabbarabt) arbeiten und beten um dieses Zentrum herum. Dazu kommt noch eine Zahl von Novizen (viele fühlen sich berufen, wenige werden auserwählt), die die jahrelange Ausbildung absolvieren. Im Kloster Shabbarflam wird besonders die Heilkunst gelehrt und betrieben. Die Shabbarattas sind hervorragende Heiler und haben schon so manchem Schwerkranken oder Verletzten  das Leben gerettet. Deshalb wird das Kloster auch von Heilsuchenden gerne aufgesucht

Ausgebildete Ordensleute versuchen als Missionare den Glauben zu verbreiten und Werke der Liebe zu tun. Auch sie werden häufig als heilkundige Helfer gerufen.

Ihr Geld bekommen die Shabbar-Kultisten ausschließlich aus freiwilligen Spenden derjenigen, denen sie ihre Dienste anbieten. Sie legen diesen Menschen jedoch immer auch nahe, dass Shabbar die Kräfte und Fähigkeiten seiner Anhänger zu steigern vermag, wenn diese für besonders großzügige und gutherzige Menschen eingesetzt werden. 

Der Shabbar-Kult ist schon seit der Zeit des Fluches ein etablierter Bestandteil der Thrimorer Gesellschaft und erfreut sich seit der Öffnung der Grenzen wachsender Beliebtheit. Da das Kloster im Westen liegt, ist auch dort die Religion am stärksten vertreten. Da die Shabbar-Kultisten jedoch seit jeher wenig Wert auf ihre eigene Geschichtsschreibung legen, lässt die Frage nach dem Ursprung des Kults nur Vermutungen zu…

Die Uralten Götter

Über die Uralten Götter ist heutzutage nicht mehr viel bekannt. Ihre Anhänger glauben, dass sie vor langer Zeit – noch lange bevor es Menschen, Elfen, Zwerge oder gar Kobolde gab –  diese Welt erschufen, um sie anschließend selbst zu bewohnen. Den wenigen Überlieferungen zufolge seien die Uralten Götter bemüht gewesen, ihrem Lebensraum Vielfalt zu verleihen und aus diesem Grund hätten sie Pflanzen und Tiere erschaffen, um sich an ihrem Anblick zu erfreuen. Die Götter lebten laut diesen Überlieferungen in vollkommener Symbiose mit ihrer Schöpfung, wurden jedoch von dieser (den Pflanzen und Tieren) stets als Schöpfer betrachtet und geehrt.

Eines Tages entschlossen sich die Uralten Götter dazu, diese Welt zu verlassen. Es zog sie nach den fernen Sternen, wo sie sich eine neue Heimat zu errichten gedachten. Doch ehe die Götter aufbrachen, machten sie sich Gedanken über ihre Schöpfung. Sie wollten diese nicht ohne Aufsicht zurücklassen. Dies war der Überlieferung zufolge die Geburtsstunde der sterblichen Völker, auf dass sie über die Schöpfung der Uralten Götter wachen mögen.

Der mächtige Farunwald im Zentrum des Landes Thrimor stellt für die Gläubigen noch immer ein Zeugnis aus jener Zeit dar. Ein Ort voller Magie, der einen eigenen Willen zu haben scheint und dessen Bäume niemals ihr gesamtes Blätterkleid abwerfen. Auch in manch’ anderen Wäldern Thrimors gibt es noch einzelne dieser Bäume. Sie stellen die einzigen Stätten des Glaubens an die Uralten Götter dar. In ihrer Nähe findet man auch oft einige Druiden (Männer und Frauen, die ihr Leben vollends der Natur gewidmet haben und teilweise ein unnatürlich hohes Alter erreichen können), welche dort beten, meditieren und ihre Rituale abhalten. Die Anhänger der Uralten besuchen diese Bäume oft, um für eine bessere Ernte, bessere Geschäfte, Glück in der Liebe oder dergleichen zu bitten, oder die dort anzutreffenden Druiden um Rat zu fragen.

In der Bevölkerung gibt es aber nur mehr wenige, die die Uralten noch verehren. Aus diesem Grund sehen es viele der Druiden seit der Öffnung der Grenzen als ihre Bestimmung, zu reisen und den Menschen den Glauben an die Uralten Götter wieder näher zu bringen.

Die Bruderschaft des ewigen Lebens

Die Bruderschaft des Ewigen Lebens ist eine geheimnisvolle Untergrundsekte im Lande Thrimor. Über ihre Ursprünge ist nicht allzu viel bekannt, die Mitglieder der Bruderschaft werden jedoch von den meisten Bürgern des Landes verachtet und gefürchtet und von den Gardisten und der Stadtwache gnadenlos gejagt und eingekerkert. Der Grund dafür liegt etwa 40 Jahre in der Vergangenheit, als ein mächtiger Magier des Cantharischen Ordens mit dem Namen Renegar Djelaras eine Hand voll Magier um sich scharte und aus unbekannten Gründen mit ihnen den Orden verließ. Zu Beginn war diese Gruppe von Magiern noch sehr geachtet innerhalb der Thrimorer Gesellschaft, auch wenn ihr Austritt aus dem Orden von anderen Magiern mit Unverständnis und Abneigung bestraft wurde. Doch es gingen schon damals Gerüchte um, dass sie zu später Stunde – wenn die meisten anderen Bürger bereits schliefen – auf Friedhöfen (die es in sehr ländlichen, wenig incendiusfrommen Gebieten noch immer gab) und Massengräbern aus dem Zeitalter der Helden zusammentrafen, um dort magische Rituale abzuhalten.

vertiefend - Geschichte
Eines Tages bat Renegar am Hofe der damaligen Gräfin Saladana Thrimos um eine Audienz. Er berichtete der Gräfin von den neuesten Erkenntnissen der Bruderschaft auf dem Gebiet der Magie und machte ihr aufgrund dieser Erkenntnisse das Angebot der Unsterblichkeit. Die Gräfin lauschte den Worten des Magiers aufmerksam, entgegnete ihm jedoch schließlich, dass der Tod ein natürlicher Bestandteil des Lebens sei und dass nach ihrem Tod ihre älteste Tochter Kelodín den Thron besteigen und das Land regieren würde, so wie es schon seit Generationen der Fall wäre. Sie dankte dem Magier für sein Angebot und schickte ihn wieder fort. Doch bevor Renegar die Residenz der Gräfin verließ, berichteten einige Bedienstete des Hofes, wie die besagte Thronerbin Kelodín dem Magier nachgeeilt wäre und einige Worte mit ihm gewechselt haben soll. Zwei Tage später verschwand Kelodín Thrimos spurlos.

Die Gräfin setzte augenblicklich Feuer, Wasser, Luft und Erde in Bewegung, um ihre Tochter zu finden. Hunderte Gardisten durchkämmten das Land, aber es war weder von der Tochter der Gräfin noch vom Magier Renegar auch nur die kleinste Spur zu finden. Ein ganzes Monat verging und die Gräfin gab allmählich die Hoffnung auf, ihre Tochter jemals wieder zu sehen, als Kelodín plötzlich seelenruhig von selbst in die Burg ihrer Mutter zurückkehrte, so als wäre sie niemals lange fort gewesen.

Doch Kelodín war nicht mehr dieselbe. Zum Vorschein kam diese Veränderung noch am selben Tag, als Kelodín nach dem Abendessen mit ihrer Mutter in deren Gemächer ging; angeblich um etwas zu besprechen. Kurz darauf ließ der Schrei der Gräfin ihre Leibwache aufschrecken und in die Gemächer stürmen, wo sie Kelodín mit einem blutigen Messer in den Händen – über den aufgeschlitzten Körper ihrer Mutter gebeugt und fanatisch grinsend – vorfanden. Im selben Moment hörte man ein lautes Krachen: Renegar hatte mit einem mächtigen Feuerzauber das Haupttor der Burg zum Bersten gebracht und Dutzende von Untoten stürmten unter der Leitung seiner Magier in die Burg.

Einzelheiten über den Ablauf des Kampfes in der Burg sind leider nicht mehr bekannt; Berichten zufolge soll es allerdings den Thrimorer Wachen und den Magiern der Canthari gelungen sein, die Schar von Untoten zurückzudrängen und einige von Renegars Nekromanten zu töten. Ein paar Magiern der Bruderschaft gelang jedoch angeblich die Flucht.

Gerüchten zufolge wurde Renegar in diesem Kampf der Kopf abgetrennt, seine Augen aber blieben trotzdem geöffnet und aus seinem Mund drang weiterhin seine Stimme und murmelte Zauberformeln, als würde sein Kopf nach wie vor auf seinen Schultern sitzen. Offenbar blieben wegen dieser Zauberformeln auch sämtliche Versuche, Renegars Schädel zu zerstören und somit zum Schweigen zu bringen, erfolglos. Aus diesem Grund wurde der Schädel in einer geweihten Holzkiste eingeschlossen, mit einem Schutzzauber versehen und in den dunklen Verliesen unter der Burg des Grafen begraben, so sagt man…

Kelodín, die älteste Tochter der Gräfin, konnte erst überwältigt werden, nachdem sie sieben Wachen getötet hatte, und wurde letztendlich – als eine Heilung von Renegars Fluch ausgeschlossen werden konnte – für den Mord an ihrer Mutter hingerichtet. Auf die Empfehlung einer Incendius-Priesterin, die zum Zeitpunkt der Hinrichtung anwesend war, wurden die Körper aller Untoten und getöteten Bruderschaftler in einer geheiligten Zeremonie verbrannt, um ihre Wiederauferstehung zu verhindern. Seit diesem Tag regiert der damals 15-jährige Folken Tirell Thrimos anstelle seiner älteren Schwester das Land und lässt die immer noch im Untergrund agierenden Anhänger der Bruderschaft erbarmungslos jagen und einsperren…